Sprachforschung

Lino Franceschini

Entstehung, Entwicklung und Urbausteine der menschlichen Sprache

– Dargestellt anhand der alteuropäischen Sprachgruppen –

Mit einer Einführung in die Ortsnamenforschung 


In langjähriger Forschungsarbeit widmete sich Lino Franceschini der Ergründung eines Geheimnisses, das Philosophie und Wissenschaften bis heute fasziniert: Entstehung, Entwicklung und Urelemente der menschlichen Sprache. Anhand der alteuropäischen Sprachgruppen und am Beispiel der Ortsnamenforschung führt er insbesondere die indogermanische Sprachentwicklung auf einfache Prozesse zurück, aus denen sich nach Ansicht des Autors auch die gegenwärtigen Sprachen im ständigen Zusammenwirken von Zufall und Notwendigkeit entwickelt haben. >Urphänomen< im Sinne Goethes sei dabei das Bild des Wachsens und Werdens der Natur, das den Menschen zur Formung der ersten Worte inspiriert und sich in immer weitere Vorstellungen differenziert. Am Anfang werden dabei auch die Gegensätze durch ein und denselben Begriff ausgedrückt und lassen somit ein komplexes Gebilde mannigfaltiger Bedeutungen aus sich entstehen. Nicht die Rekonstruktion einer gemeinsamen Ursprache und ihrer Grammatik, sondern die Notwendigkeit der Verständigung über elementare Vorgänge bildet das Fundament für die Ausprägung von Regeln, die sich im Laufe der Zeiten aus verschiedenen Mundarten zu schriftlich fixierbaren Kultursprachen vereinheitlichen. Die Namen der Orte stehen hier – mehr noch als diejenigen für Götter und Personen – für die Dynamik und gleichzeitig Stabilität der Sprachentwicklung, in der sich das raumgreifende und gleichsam welterschließende Wesen der Sprache bekundet. Durch ihre Überlieferung und die oft unbewusste Übernahme in den eigenen Sprachschatz der wechselnden Einwohner äußert sich hier das Bedürfnis nach Orientierung in und Identifizierung mit einer neuen und zunächst fremden Umgebung. Die vom Autor aufgestellte These ist ein interessanter Ansatz, der es verdient hat, auch in der gegenwärtigen Sprachwissenschaft Beachtung zu finden. Seine Urbegriffstheorie und das akribisch zusammengetragene Material bieten Stoff für neue Diskussionen und eröffnen weitere Perspektiven der Forschung. In klaren Sätzen formuliert und übersichtlich strukturiert, stellt sich der Sinngehalt des Textes auch dem interessierten Laien verständlich dar, der durch eine Fülle längst verloren geglaubter Bezeichnungen auf eine Spurensuche zu den Ursprüngen unserer Sprache geführt wird.

 


»Es ist eine sehr verdienstvolle Arbeit, die, ähnlich wie die Anthropologie den heutigen Menschen auf einen Ursprung zurückführt, das gleiche auf dem Gebiet der Sprache tut«. (Carl Andreas von Stenglin)


Verlag Franceschini & Vosshagen
Olpe 2003
ISBN 3-00-011091-7


Wir möchten hier auf das Buch von Kerstin Feuge: Über den Ursprung der Sprachen – Die evolutionäre Relevanz der Wölbung, Oldenburg, Lamberti Verlag, 2003, hinweisen. Mit dieser Arbeit hat die Autorin die zwei umfangreichsten und sehr ursprünglichen Sprachfamilien der Welt, die Niger-Kongo-Sprachen und die austronesischen Sprachen, untersucht und festgestellt, dass beide auf das gemeinsame Grundprinzip der Wölbung zurückgehen. Diese Theorie stimmt mit den Thesen des oben vorgestellten Buches überein, welche somit bestätigt werden. Dies ist ein starkes Indiz für die Richtigkeit der Annahme, dass das Grundprinzip des Schwellens für die Entstehung aller Sprachen der Welt Gültigkeit besitzt.

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